Dokumentation

Arztbericht Reizdarm — selbst erstellen

Ein Arztbericht ist kein Tagebuch und keine Erzählung. Er ist ein komprimiertes Dokument, das Zahlen, Muster und Warnzeichen in unter 90 Sekunden Lesezeit transportiert. Wer einen guten Reizdarm-Bericht in die Sprechstunde bringt, verändert den Verlauf des Termins — aus „erklär mal" wird „diskutieren wir die Optionen".

ARZT-PDF AUF EINER SEITEIn 90 Sekunden lesbar. Alle Zahlen, keine Prosa.KOPFZEILEName · Geburtsdatum · Zeitraum · erstellt amBRISTOL-VERTEILUNG1234567SCHMERZ-VERLAUF100IBS-SSS-SCORE320 → 220 (Δ -100, MCID)RED-FLAG-STATUS✓ alle Red Flags negativTRIGGER-MUSTERZwiebel + hoher Stress → Typ 6 innerhalb 24 h (3 von 3 Vorfällen); Milch → keine Korrelation
Beispiel-Layout eines 1-Seiten-Reizdarm-Berichts: Kopfzeile, Bristol-Verteilung, Schmerz-Verlauf, IBS-SSS, Red-Flag-Status, Trigger-Muster.

Warum ein strukturierter Bericht 15 Minuten Arzt-Zeit spart

In einem 15-Minuten-Slot ist die Anamnese die teuerste Einheit. Wenn du sie mit einem strukturierten Dokument ersetzt, bleiben 11 Minuten für die eigentliche Entscheidung. Details dazu im Beitrag Der 15-Minuten-Gastro-Termin.

Die DGVS-S3-Leitlinie (Layer 2021) empfiehlt für Reizdarm-Diagnostik einen standardisierten Zugang: Symptomverlauf über mindestens drei Monate, Red-Flag-Screening, Abgrenzung zu Differentialdiagnosen (Zöliakie, CED, Infekte). Für all diese Entscheidungen braucht die Ärztin oder der Arzt Daten in vergleichbarer Form — also nicht „mir geht's mal besser, mal schlechter", sondern Bristol-Verteilung, IBS-SSS-Score und Trigger-Muster.

Die vier Pflichtteile eines Reizdarm-Berichts

Ein aussagekräftiger Reizdarm-Bericht hat vier Kernblöcke — alles darüber hinaus ist Beiwerk. Jeder Block muss in einer einzigen Grafik oder Zahl lesbar sein, sonst hat er keinen Platz auf einer Seite.

Optional, aber stark nützlich, sind drei weitere Blöcke: Trigger-Muster (was korreliert regelmäßig mit Beschwerden), Medikations-Liste inklusive rezeptfreier Mittel, und eine Frage-Liste mit drei bis sechs konkreten Fragen für das Gespräch.

Bristol-Verteilung richtig dokumentieren

Eine Bristol-Verteilung ist aussagekräftig ab mindestens 2 Wochen täglichem Logging. Drei Wochen sind besser, vier Wochen optimal. Die Sprechstunde interpretiert die Verteilung mit festen Schwellen nach Rome IV:

Details zur Skala und Subtyp-Klassifikation im Beitrag Bristol-Stuhlskala verstehen. Für den Bericht reicht ein kleiner Balken mit 7 Spalten (Typ 1–7) und Prozent-Häufigkeit — diese Darstellung wird in der Gastroenterologie international verwendet.

IBS-SSS-Score: die eine Zahl, die alles zusammenfasst

Der IBS-SSS nach Francis, Morris und Whorwell (Francis 1997) reduziert das Reizdarm-Erleben auf eine Zahl zwischen 0 und 500 — höher = stärker betroffen. Für den Bericht brauchst du:

Ein Beispiel-Satz für den Bericht: „Baseline 320 (schwer, 2026-02-15) → aktuell 220 (moderat, 2026-04-15) → Δ −100 (MCID-Schwelle überschritten)". Das ist in der Sprechstunde direkt auswertbar. Details zur Berechnung und zum MCID im IBS-SSS-Beitrag.

Trigger-Muster und Red-Flag-Checkliste

Trigger-Muster sind die eigentliche Währung der Mustererkennung. Eine gute Tracking-App zeigt dir Korrelationen wie „Zwiebel + hoher Stress → Typ 6 innerhalb 24 h in 3 von 3 Fällen". Für den Bericht gehören die drei bis fünf stärksten Korrelationen — nicht mehr, sonst wird die Signal-zu-Rausch-Abwägung in der Sprechstunde anstrengend.

Die Red-Flag-Checkliste ist explizit: jede der sechs DGVS- Red-Flags wird bewusst abgehakt — „negativ" oder „positiv". Nur so weiß die Sprechstunde sicher, dass die Warnsignale geprüft wurden, und welche weiterführende Diagnostik angezeigt ist:

Plus Kontextfaktoren: Alter >50 (Erstmanifestation), positive Familienanamnese für CED, Zöliakie oder Darmkrebs. Alle Details zur Einordnung im Beitrag Red-Flag-Symptome.

Template: so sieht ein guter 1-Seiten-Bericht aus

Ein Beispiel, das auf eine A4-Seite passt — lesbar in 90 Sekunden. Kursive Teile sind Platzhalter, in der realen Vorlage mit echten Werten:

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REIZDARM-VERLAUFSBERICHT
Erstellt 2026-04-23 · Zeitraum 2026-02-15 bis 2026-04-23
───────────────────────────────────────────────────────────
Person: Anna M. (34, *1991-08-12)
Tracking: 67 Tage, 142 Einträge
Reizdarm-Diagnose: ja (seit 2023, IBS-M nach Rome IV)

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1 · BRISTOL-VERTEILUNG (letzte 3 Wochen)
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Typ 1  ████░░░░░░░░░░░░░░░░   8 %
Typ 2  ███████████████░░░░░  27 %
Typ 3  ████████████████░░░░  29 %
Typ 4  █████████░░░░░░░░░░░  15 %
Typ 5  █████░░░░░░░░░░░░░░░   9 %
Typ 6  ███████░░░░░░░░░░░░░  10 %
Typ 7  █░░░░░░░░░░░░░░░░░░░   2 %
→ Subtyp: IBS-M (>25 % Typ 1/2 UND >25 % Typ 6/7)

2 · SCHMERZ (Visuelle Analogskala 0–10)
───────────────────────────────────────────────────────────
Mittelwert: 4,3 · Tage mit Schmerz >3: 19/21
Peak: Montagabende (Stress-Korrelat)

3 · IBS-SSS-SCORE
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Baseline (2026-02-15):   320 (schwer)
Aktuell   (2026-04-23):  220 (moderat)
Delta:   −100 Punkte (MCID >50, klinisch relevant)
Intervention: FODMAP-Elimination seit 6 Wochen

4 · RED-FLAGS (DGVS-Liste)
───────────────────────────────────────────────────────────
[ ] Blut im Stuhl          → negativ
[ ] Ungewollter Gew.-verlust → negativ
[ ] Fieber mit Durchfall    → negativ
[ ] Nächtliche Schmerzen    → negativ
[ ] Anämie-Symptome         → negativ
[ ] Tastbare Raumforderung  → negativ
[ ] Familienanamnese        → negativ

5 · TRIGGER-MUSTER (Top 3)
───────────────────────────────────────────────────────────
· Zwiebel + hoher Stress  → Typ 6 in 24 h (3/3 Vorfälle)
· Laktose (>200 ml Milch)  → Bauchkrämpfe (4/5)
· Schlafdauer <6 h          → IBS-SSS +40 am Folgetag

6 · MEDIKATION
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· Macrogol 13 g p. r. n.  (1–2×/Woche)
· Pfefferminzöl-Kapseln (tägl. morgens)
· Keine Dauer-PPIs, kein NSAR

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FRAGEN FÜR DEN TERMIN
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1. Ist die FODMAP-Phase 2 (Reintroduktion) sinnvoll?
2. Sollte ich Calprotectin + tTG-IgA nochmal prüfen?
3. Wann wäre eine Koloskopie indiziert?
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Wie DarmKompass dieses PDF erzeugt

Manuelles Zusammenkopieren aus verschiedenen Apps ist aufwändig und fehleranfällig. darmkompass erzeugt den 1-Seiten-Bericht automatisch aus deinen Logging-Daten: Bristol- Verteilung, Schmerz-Kurve, IBS-SSS mit MCID-Markierung, Red-Flag-Status als Checkliste, Trigger-Muster als Top-3-Korrelationen, Medikations-Liste und anpassbare Frage-Liste. Drei Klicks unter „Export → Arzt-PDF", fertig zum Ausdrucken oder als Anhang fürs Patientenportal der Praxis.

Der Bericht ersetzt kein ärztliches Urteil — er ist das Eingangsmaterial, das die Sprechstunde schneller zu einer Entscheidung führt. Ob die Entscheidung „weitermachen" oder „neue Diagnostik" lautet, ist Aufgabe der Ärztin oder des Arztes. Dein Job endet mit der Vorbereitung.

Quellen

  1. [1] Layer P, Andresen V, Allescher H, et al. (2021). Update S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Z Gastroenterol (AWMF 021/016). PMID: 34891206 DOI: 10.1055/a-1591-4794
  2. [2] Ford AC, Sperber AD, Corsetti M, Camilleri M (2020). Irritable bowel syndrome. Lancet. PMID: 33049223 DOI: 10.1016/S0140-6736(20)31548-8
  3. [3] Mearin F, Lacy BE, Chang L, Chey WD, Lembo AJ, Simren M, Spiller R (2016). Bowel Disorders (Rome IV). Gastroenterology. PMID: 27144627 DOI: 10.1053/j.gastro.2016.02.031
  4. [4] Francis CY, Morris J, Whorwell PJ (1997). The irritable bowel severity scoring system: a simple method of monitoring irritable bowel syndrome and its progress. Aliment Pharmacol Ther. PMID: 9146781 DOI: 10.1046/j.1365-2036.1997.142318000.x

Redaktionell geprüfte Inhalte nach Quellenlage DGVS S3, AWMF 021/016 und peer-reviewed PubMed-Literatur.

Häufige Fragen

Wie lang sollte der Arztbericht sein?
Eine Seite A4. Alles, was nicht auf eine Seite passt, bleibt ungelesen. Die Sprechstunde hat 15 Minuten, der Bericht muss in 90 Sekunden scannbar sein.
Brauche ich einen Arztbericht, wenn ich noch keine Reizdarm-Diagnose habe?
Ja, sogar besonders. Eine strukturierte Symptom-Dokumentation beschleunigt die Erstdiagnose. Ohne Diagnose nennst du es „Symptom-Dokumentation“ statt „Reizdarm-Bericht“; die Inhalte sind identisch.
Wie oft sollte ich den Bericht aktualisieren?
Vor jedem Arzttermin + alle 12 Wochen bei laufender Intervention (FODMAP, CBT, Medikation). Tägliche Aktualisierung ergibt keinen Sinn — der Bericht lebt von konsolidierten Zeiträumen.
Kann ich den Bericht digital verschicken?
Ja — als PDF per E-Mail an die Praxis oder über das Patientenportal (z. B. Medatixx, CGM, Connext). Einige Praxen haben WhatsApp-Kontakte; bedenke den Datenschutz (Gesundheitsdaten gehören nicht in WhatsApp). DarmKompass erzeugt das PDF mit einer eindeutigen, nicht-sensiblen Dateikennung.
Muss ich den Bericht ausdrucken?
Nein, aber es hilft. Eine ausgedruckte Seite in der Hand der Sprechstunde ist präsenter als ein PDF auf dem Bildschirm. Praktisch: drucken + E-Mail.
Was, wenn ich keine Zahlen habe, nur Gefühle?
Dann brauchst du erst 2–3 Wochen tägliches Logging. Ohne Daten kannst du keinen strukturierten Bericht erstellen. Praxistipp: fang heute an; in 3 Wochen hast du etwas Sinnvolles.
Welches Format sollte der Bericht haben?
PDF ist Standard (druckbar, portabel, DSGVO-konform speicherbar). Alternativ: strukturiertes Text-Dokument, das in der elektronischen Patientenakte weiterverwendet werden kann. Vermeiden: Excel-Tabellen oder screenshot-lastige Formate.

Eigenes Muster finden, statt nur lesen?

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